Zurück zu Kapitel 3.1

3.2 Kernteilung und -gestalt bei Reticulomyxa filosa

Die Teilungsspindel von Reticulomyxa ist bislang noch nicht untersucht worden. Koonce und Schliwa kündigten 1985, kurz nach der Entdeckung dieses interessanten Objekts, weitere Untersuchungen u. a. zum Zellzyklus an; Ergebnisse sind aber bisher noch nicht publiziert worden.

3.2.1 Struktur des Zellkerns

In späteren Stadien (Siehe 3.1.1) der RPN-Differenzierung liegen die Zellkerne ausschließlich im zentralen Plasma. Ihre Gestalt ist rundlich bis oval, und ihr Durchmesser schwankt innerhalb einer Zelle in weiten Grenzen von etwa 3,0 mm bis 4,5 mm (Abb. 22). Ein einziges Plasmodium von Reticulomyxa kann mehrere tausend Zellkerne enthalten. Die Fluoreszenzfärbung der DNA mit Bisbenzimid zeigt (Abb. 22), daß innerhalb der Kerne ungefähr ein Dutzend ovaler bis runder heterochromatinähnlicher Bereiche liegt, die intensiv mit Bisbenzimid angefärbt werden und im elektronenmikroskopischen Schnitt keine Binnenstruktur aufweisen. Die Betrachtung im EM macht ebenfalls deutlich, daß die Verteilung dieser Bereiche nicht zufällig ist, sondern daß sie durch zahlreiche periodische Brücken direkt an der Kernlamina verankert sind. (Abb. 24) In diesem Anheftungsbereich finden sich zahlreiche Poren in der Kernmembran. In wenigen günstigen Schnitten kann man auch den Ursprung des, aus feinen , zumeist mit Ribosomen besetzten Schläuchen bestehenden und ebenfalls nur im zentralen Plasma vorkommenden, endoplasmatischen Reticulums an der äußeren Kernmembran erkennen. (Abb. 23, Inset.)

3.2.2 Kernteilung und Teilungszyklus bei Reticulomyxa filosa

Die Beobachtung von Kernteilungsstadien erwies sich als unerwartet schwierig. In normal kultivierten Zellen, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden, fanden sich niemals Teilungsstadien. Daraufhin wurde mit verschiedenen Methoden versucht, einzelne Zellinien zu synchronisieren. Die Versuche, Reticulomyxa in Schüttlerkultur zu halten, um so die Ausbildung einer Teilungsspindel für längere Zeit zu unterbinden und durch die Beendigung des Schüttelvorgangs gezielt auszulösen, scheiterten daran, daß Reticulomyxa in Schüttlerkultur kein RPN mehr ausbilden kann und dadurch der Nahrungsgrundlage entzogen ist. Versuche, mit 5 mM Oryzalin im Kulturmedium die Zellen in der Metaphase zu arretieren, wie von Ramulu et al (1991) bei Solanum tuberosum erfolgreich praktiziert, ergaben, daß die Spindelmikrotubuli diesem Herbizid und Mikrotubuligift gegenüber nicht sensitiver sind, als die cytoplasmatischen. (Siehe auch 3.6.1.3) Erfolgreicher waren Langzeituntersuchungen an zerkleinerten und danach neu fusionierenden Zellen. Dazu wurden entweder über 24 Stunden ununterbrochen in halbstündigen Abständen Fragmente einer Stammzelle untersucht, oder es wurde mit drei Kulturen, die gegeneinander um jeweils 8 Stunden zeitversetzt angesetzt worden waren, gearbeitet.

Bei der letzteren Methode wurde so quasi lückenlos der Zeitraum von 0 - 96 Stunden nach Inkubationsbeginn erfaßt. Bei diesen Langzeitversuchen konnten an zwei Plasmodien Kernteilungsstadien beobachtet werden (Abb. 25). Auffällig ist, daß die Kerne eines Plasmodiums untereinander nicht synchron sind. So ließen sich in einer Zelle gleichzeitig alle Stadien der Mitose sowie zahlreiche Interphasekerne finden. Die Photos Nr. 26 a - d zeigen die verschiedenen Stadien der Mitose. Andere Zellen, die unter identischen Bedingungen gleich lang inkubiert wurden, waren untereinander nicht synchron, so daß auf elektronenmikroskopische Untersuchungen der Spindel verzichtet werden mußte.

Weiter zu Kapitel 3.3